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Original oder Fälschung? – Das Turiner Grabtuch

Das Turiner Grabtuch – für die einen ist es das Leichentuch Jesu Christi, für andere ist es, wenn auch eine gute, so doch eine Fälschung. Von der römisch-katholischen Kirche als Ikone behandelt, im Dom von Turin aufbewahrt und nur selten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ist es für viele Christen eine wahre Reliquie. Und genauso oft, wie Wissenschaftler die Echtheit des Tuches bestätigen, genauso oft widerlegen andere Wissenschaftler diese Theorien.

Erste Erwähnungen

4,36 Meter lang und 1,10 Meter breit ist das umstrittene Leinentuch. Es zeigt offensichtlich die Gestalt eines Mannes von der Vorder -und Rückseite. Bereits zu Zeiten von Kaiser Konstantin um 331 soll von einem Tuch mit dem Bildnis Jesu gesprochen worden sein. Aus dem 9. Jahrhundert stammt ein Bild in einer Höhlenkirche in Kappadokien, bei dem es sich angeblich um die Kopie des Leichentuch-Abbildes handeln soll. Unumstritten ist der erste schriftliche Hinweis aus dem 14. Jahrhundert, gefunden von Ritter Geoffroy de Charny beim Bau der Stiftskirche in Lirey in der Champagne. In der Folgezeit gelangte es in die Hände des Hauses Savoyen und wurde 1578 nach Turin überführt, wo es bis heute in der Kathedrale von Turin liegt.

Zahlreiche Prüfungen der Authentizität

1988 wurde in der Schweiz eine Radiokarbon-Datierung vorgenommen. Als Ergebnis stellte man fest, dass das Leinen zwischen 1260 und 1380 hergestellt wurde. Allerdings gab es Unstimmigkeiten über das genutzte Verfahren, zudem behauptete 2005 der Chemiker Ray Rogers, dass die Bestimmung nicht am ursprünglichen Turiner Grabtuch, sondern an einem Flicken aus dem Mittelalter vorgenommen wurde, mit dem Brandspuren ausgebessert wurden.

1999 kamen israelische Botaniker zu dem Schluss, dass Pollen, die auf dem Turiner Grabtuch gefunden wurden, ausschließlich in der Umgebung von Jerusalem vorkommen. Gleiche Pollen wurden auch auf dem Schweißtuch von Oviedo gefunden, von dem man ebenfalls glaubt, es wäre von Jesus Christus.

Als weiterer Beweis für die Authentizität des Turiner Grabtuchs werden von Forschern die Kreuzigungsspuren durch die Handwurzeln gesehen. Tatsächlich war das die Kreuzigungstechnik der Römer und nicht der Nagelschlag durch die Hand, der auf mittelalterlichen Jesus Darstellungen gezeigt wird. Auch die Beschaffenheit und die Webart des Leichentuches, das in Turin aufbewahrt wird, sei im Mittelalter nicht mehr bekannt gewesen, wohl aber zu Zeiten Christi.

Kritiker halten dagegen, dass ein Abdruck verzerrt sein müsse, nicht statisch wie auf dem Turiner Grabtuch. 2009 wies der italienische Chemiker Luigi Garlaschelli nach, dass eine Fälschung des Turiner Grabtuch mit den im Mittelalter vorhandenen Möglichkeiten durchaus möglich gewesen wäre.

Ausstellung des Turiner Grabtuchs

Bei den seltenen Gelegenheiten der Ausstellung im Dom von Turin herrscht stets großer Andrang. Hunderttausende von Menschen pilgern dann nach Turin und reservieren 3 Minuten Zeit zur Besichtigung, die in Gruppen von bis zu 40 Leuten stattfinden. Die nächste Ausstellung soll im Heiligen Jahr 2025 stattfinden, allerdings hat der Papst das Recht, jederzeit einen früheren Termin zu bestimmen.

Egal, was Forscher noch finden werden: weder werden sich gläubige Christen von der Fälschung noch Kritiker von der Echtheit des Turiner Grabtuchs überzeugen lassen. Das Tuch berührt die Menschen seit Jahrhunderten und wird es weiterhin tun. Und es werden sich auch weiterhin viele Legenden und Mysterien um das Grabtuch von Turin ranken.

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